Zahnschmelz
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Wie kann man Zahnschmelzstörungen behandeln und wie erkennt man diese?

Zahnschmelz ist die äußere Schutzhülle, die die Zahnkrone umgibt, so wie eine Emaille-Schicht oder eine Glasur. Liegt ein struktureller Defekt des Zahnschmelzes vor, erkennt man diesen leicht an kreidigen, gelblichen Flecken auf den Zähnen oder, wenn die ganze Oberfläche betroffen ist, an einer bräunlich-gräulichen Färbung der Zähne, schon beim Durchbruch.

Sind die Defekte ausgedehnt, sind die betroffenen Zähne sehr schmerzempfindlich, auf Temperaturunterschiede, also Kalt/Warm, aber auch auf Süß. Diese Stellen sind auch sehr kariesanfällig.


  • Zahnschmelzdefekte können einen einzelnen Zahn betreffen, wenn die Krone des bleibenden Zahnes, während ihrer Entwicklung, verletzt wurde, durch einen Sturz auf den Milchzahn darüber oder durch eine unbehandelte Infektion der Milchzahnwurzel. 


  • Sogenannte „Kreidezähne“ haben auch Schmelzdefekte, der wissenschaftliche Name sagt, welche Zähne betroffen sind und warum: Molaren-Inzisivi-Hypomineralisation (MIH) (vereinfacht: Molaren=Backenzähne, Inzisivi=Schneidezähne, Hypomineralistaion= zu wenig mineralisiert, zu wenig fest). Hier sind oft mehrere Zähne betroffen und zwar hauptsächlich die bleibenden Schneidezähne und die ersten bleibenden Backenzähne, also der 6-te Zahn von der Mittellinie gezählt. Diese Zähne brechen mit ca. 6 Jahren durch.


Als Ursachen der MIH wurden mehrere Faktoren untersucht, es werden genetische Faktoren vermutet, Sauerstoffmangel in der Zeit um die Geburt, Frühgeburten, aber auch der Einfluss von Umweltgiften, wie den Weichmachern aus Plastik oder häufige respiratorische Infekte, zwischen der Geburt des Kindes und seinem dritten Lebensjahr. MIH trifft häufig auf, in verschiedenen Ausprägungen. Einige Studien gehen von bis zu 15% betroffene Kinder aus (3). Wir unterscheiden verschiedene Schweregrade, von kleinen Flecken auf einzelnen Zähnen, bis zu ausgedehnten Defekten, mit poröser, weicher Zahnsubstanz. Danach richtet sich auch die Therapie.


Man versorgt Löcher in diesen Zähen mit Füllungen, wobei Füllungen hier nicht gut halten. Man kann betroffene Zähne wiederholt mit verschiedenen Lacken versiegeln oder bei großen Defekten, diese mit im Labor vorgefertigten Teilkronen decken. Auf der Kinderabteilung der Universitätszahnklinik Wien gibt es eine eigens Kompetenzzentrum für Mineralisationsstörungen (4).

Es gibt auch Schmelzdefekte, die alle Zähne betreffen, diese sind aber sehr selten und man kann sie nicht übersehen.


Literaturquellen:


1. Dental Flossing and Proximal Caries in the Primary Dentition: A Systematic Review.

de Oliveira KMH, Nemezio MA, Romualdo PC, da Silva RAB, de Paula E Silva     FWG, Küchler EC.Oral Health Prev Dent. 2017;15(5):427-434. doi: 10.3290/j.ohpd.a38780.PMID: 28785751 Review.


2. The Role of Fluoride in the Prevention of Tooth Decay.

Pollick H.Pediatr Clin North Am. 2018 Oct;65(5):923-940.



3. Best clinical practice guidance for clinicians dealing with children presenting with molar-incisor-hypomineralisation (MIH): an updated European Academy of Paediatric Dentistry policy document.

Lygidakis NA, Garot E, Somani C, Taylor GD, Rouas P, Wong FSL.Eur Arch Paediatr Dent. 2022 Feb;23(1):3-21. doi: 10.1007/s40368-021-00668-5. Epub 2021 Oct 20.


4. https://www.unizahnklinik-wien.at/fachbereiche-spezialambulanzen/spezialambulanz-mineralisationsstoerungen/



DDr. med. dent. Sanda Patruta

DDr. med. dent. Sanda Patruta

Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

DDr. Sanda Patruta ist Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Spezialisiert für Kind ...

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