Logopädin in Therapie mit einem kleinen Mädchen
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Wann braucht mein Kind logopädische Unterstützung?

Dies ist abhängig von dem, was das Kind zu welchem Alter an Schwierigkeiten zeigt. Auffälligkeiten können in unterschiedlichen Bereichen auftreten. In der Sprachentwicklung, in der Aussprache/Sprechentwicklung, im Bereich des Verstehens von Sprache, bei der Nahrungsaufnahme oder dem Hören.

 

Am Wichtigsten ist es jedoch, wenn sich Eltern Sorgen machen oder offene Fragen vorhanden sind, dass sie immer ein Gespräch mit einem/r Logopäden/In suchen. Viele Unsicherheiten können häufig schon in einem aufklärenden Gespräch oder einer Beratung genommen und weitere Schritte besprochen werden.



Was sind die Aufgaben eines Logopäden?


Unsere Kernaufgaben sind die

• Prävention

• Beratung

• Untersuchung

• Diagnose

• Therapie

• Rehabilitation und

wissenschaftliche Erforschung von Störungen und Behinderungen…

…der Sprache

…des Sprechens

…der Nahrungsaufnahme

…der Atmung

…der Stimme

…des Schluckens

…der Mundfunktionen

…des Redeflusses

…des Lesens, Schreibens und Rechnens

…des Hörvermögens und

…der Wahrnehmung

…bei Menschen aller Altersgruppen. (Quelle)



0-1 LJ: Logopäden werden schon bei Säuglingen hinzugezogen, welche mit dem Saugen und Trinken Probleme haben. Nicht selten liegt die Ursache bei Lippen- oder Zungenbändern. Jedoch ist nicht außer Acht zu lassen, dass ein komplizierter oder stockender Geburtsverlauf mit eventuell vorhandenen Blockaden und fehlenden integrierten Reflexe ebenfalls das Trinken an der Brust hemmen können. Bei Lippen-Kiefer- Gaumenspalten werden die Eltern schon sehr früh im Krankenhaus vom Fachpersonal professionell aufgeklärt und unterstützt. Auch das Gehör wird schon in den ersten 3 Lebenstagen untersucht. Der gesamte Prozess der Nahrungsaufnahme vom Saugen an der Brust oder Flasche, bis hin zur festen Nahrung fällt in den Aufgabenbereich der Logopäden und dient als Basis für die gesamte Sprechentwicklung. Weitere Hinweise für Probleme, können sein, wenn das Baby nicht auf Geräuschquellen reagiert es keine Geräusche produziert und der Blickkontakt nicht aufgenommen wird.

 

In den ersten 2 Lebensjahren werden die grundlegenden sprachlichen Fertigkeiten geübt und gefestigt. Dazu zählen: 


1.     Die Nahrungsaufnahme für den Muskelaufbau, die Motorik und die Wahrnehmung.

2.     Das Singen und Lautieren für das Kennenlernen und Spielen mit der Stimme, damit ein kontrolliertes einsetzten von Lautstärke, Betonung und Stimmhöhen erlernt werden können.

3.     Der Blickkontakt, Mimik und Gestik für die Befähigung von Kommunikationsaufbau/nonverbale Kommunikation und Nachahmung.

4.     Die grobmotorische Entwicklung wie das Drehen, Sitzen, Aufziehen und Krabbeln …uvm... Weil Sprechen das kleinste und feinste motorische Geschick ist, benötigt man ein gesundes grobmotorisches Fundament. 

5.     Das Spielen im Mund und abschlecken von Gegenständen (orale Phase) um den eigenen Mundraum besser kennenzulernen und zu spüren. 

 

Dann steht der Lautbildung und Lautmalereien (Wauwau, Miau...) im Alter von 9 -12 LMo.. nicht mehr viel im Wege. Daraus resultieren die ersten Worte (12-18 LMo.) wie Papa, Mama, uvm.,das Kind reagiert nun auch schon auf seinen Namen und die ersten 50-200 Worte sollten dann mit ca. 2 Jahren vorhanden sein. 

Ist die Aussprache nach dem 2 LJ. sehr undeutlich und verwaschen, dann sollte der Kontakt zu einem HNO-Arzt und einem Logopäden gesucht werden. Auch wenn noch häufig davon abgeraten wird! In dieser Phase können kleine Hilfestellungen noch viel bewirken und gröbere Probleme verhindert werden.

Im weiteren Verlauf der Entwicklung nimmt der Wortschatz stätig zu, die Sätze werden komplexer und das Kind wird gut verständlich. ACHTUNG vor regelmäßig und häufig auftretenden Mittelohrentzündungen und/oder Paukenergüssen. Das Lauterdrehen der ToniBox, ständiges Nachfragen und laute Sprechstimme sind Hinweise darauf, dass das Kind schlecht hört und die Worte somit nicht richtig erlernen kann. Tritt dies chronisch auf, kann es zu gravierenden Problemen in der Hörwahrnehmung kommen, was im Kindergartenalter und Schuleintritt noch negative Auswirkungen zeigt. 

Mit dem 3ten LJ . werden die ersten Konsonantenverbindungen (bl-,kn, kl-, gl-,dr-, br-,…) korrigiert und die Frageworte WER- WIE-WAS-WARUM bringen die Kinder zur nächsten Entwicklungsstufe der Nebensätze und der Wortschatz nimmt stark zu.


Im 4. Lebensjahr ähnelt die Sprache schon sehr dem eines Erwachsenen. Das Kind kann sich gut unterhalten, erzählt Geschichten und die meisten Laute, bis auf s, z, sch und manche Konsonantenverbindungen werden manchmal noch nicht ganz korrekt ausgesprochen. Nicht selten entwickelt sich in dieser Phase auch das Stottern, welches kurz anhält und von allein wieder verschwindet. In einer erkältungsfreien Zeit sollte der Mund beim Schlafen und Spielen geschlossen sein und die Zunge im Mund. Das Atmen über die Nase ist nämlich wichtig, damit das Schlafen, Kauen und die Kieferentwicklung nicht negativ beeinflusst werden.


Im letzten Kindergartenjahr kommt es zur Festigung aller erlernten sprachlichen Fertigkeiten und die Kinder bereiten sich schon auf die Schule vor. Reimen, Geräusche erkennen, Artikel, Ein- und Mehrzahlbildung, Singen, Geschichten erzählen und Gedichte lernen sowie Stifthaltung, bei einem Spiel sitzen und fertig spielen können, sollte nun schon möglich sein. 

 

Nach dem Zahnwechsel kann der/die LogopädeIn bei kieferorthopädischen Abweichungen unterstützend wirken und in der Schule bei Lese-Rechtschreibproblemen helfen.


Wann welche Fertigkeiten vollständig vorhanden sein müssen, ist an Hand dieser Tabelle zu entnehmen:



Was tun Logopäd*innen in der Praxis, um meinem Kind zu helfen? 


Wichtig ist vor dem ersten Kontakt mit dem Logopäden, die Abklärung beim HNO-Arzt. So kann sichergestellt werden kann, dass das Gehör sauber und intakt ist! Beim Logopäden selbst erfolgt die Beurteilung der Sprech- und Sprachentwicklung oder des Mundraumes und alles, was dazugehört um diesen Prozess der Nahrungsaufnahme, des Sprechens- und der Sprache zu erwerben. Anhand dieser Ergebnisse, erfolgt eine Beratung und/oder eine für das Kind zugeschnittene Therapie, die vorwiegend von den Eltern zu Hause umgesetzt und regelmäßig durchgeführt werden muss. 


Gibt es Dinge, die ich präventiv tun kann, um Probleme zu vermeiden?


Was viel vielen Eltern noch nicht bekannt ist, dass das Fundament der Sprech- und Sprachentwicklung auf den Säulen der Bindung/Beziehung, sowie Grenzen/Werte setzten und dem Bewusstsein als Vorbild zu fungieren. Jesper Juul zeichnet die Aufgabe der Erziehung in einer Metapher auf: „Kinder brauchen Eltern, die als Leuchttürme fungieren. Das heißt, sie brauchen Eltern, die klare Signale schicken. So können sich Kinder orientieren.“ (Jesper Juul, Familientherapeut) Eltern sind die großen Vorbilder und das muss ihnen auch bewusstwerden. Vor allem im Hinblick auf den Umgang mit den digitalen Medien im Beisein der Kinder.

Dies ist am besten mit einigen Situationen zu beschreiben: 


Positiv:

+ achtsam und bewusst sollten Mutter und Kind die Stillzeit genießen

+ spazieren im Kinderwagen sollte zum kommunikativen Austausch dienen

+ Bücher lesen und besprechen mit Blickkontakt


Negativ:

- Filme ansehen und Nachrichten beantworten und den Fokus auf das Internet lenken

- Handyhalterung oder Tablet Halterung am Kinderwagen installieren

- Sprechen mit den Kindern, während man eine Nachricht am Handy schreibt oder telefoniert


Zudem spielt die Verwendung des Schnullers, die Nahrungsaufnahme/ das Kauverhalten und die Motorik für die Sprechentwicklung eine ebenso bedeutende Rolle, welche von den Eltern mitgestaltet werden.


Mein Kind spricht noch nicht richtig. Ab wann muss ich mir Sorgen machen?


Wenn Ihnen Verwandte, der Kindergarten oder Freunde zur verstehen geben, dass Sie Ihr dreijähriges Kind schlecht verstehen, sollten Sie erstmal einen HNO- Arzt-Termin vereinbaren. Ein sauberes und intaktes Gehör ist die Grundvoraussetzung für einen optimalen Sprech- und Spracherwerb. Anschließend kann ein logopädisches Beratungsgespräch vereinbart werden, bei dem Ihr Kind mit dabei ist. Die ersten Fragen, Bedenken und Sorgen werden besprochen und Tipps an Sie weitergegeben. Nehmen Sie Ihre Sorgen als Eltern ernst und scheuen Sie sich nicht vor einem Telefonat oder vor einem Treffen. Lieber ein Jahr zu früh informiert als ein Jahr zu spät! Eine kleine Orientierung finden sie in der Tabelle weiter oben.


Daniela Schoby, M.Sc.

Daniela Schoby, M.Sc.

Logopädin

Ich habe in meiner Arbeit meine Berufung gefunden. Bin s ...

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