Hochbegabung
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Hochbegabung bei Kindern: 5 Anzeichen, die Eltern kennen sollten

Wunderkind? Genie? Nein, mein Kind ist ganz normal. Oder etwa doch nicht? Wie man Hochbegabung schon in sehr jungen Jahren erkennt und was das für den Alltag bedeuten kann.


Hochbegabung kommt selten allein. Sie führt über Fehldiagnosen (ADHS, Minderintelligenz u.ä.), kann Hochsensibilität als ständigen Begleiter haben oder fällt im Alltag schlicht gar nicht auf, weil das Kind einfach leicht lernt. Sie kann vererbt sein, tritt aber auch sporadisch auf. Oft wird sie sehr spät oder nie erkannt, wodurch sich Betroffene später häufig oft einfach fehl am Platz in Alltagssituationen fühlen. Nur sehr wenige sind mit dem Thema Hochbegabung vertraut. Für die Diagnostik braucht es Fachwissen, Empathie und vor allem auch den Mut, über den Tellerrand hinaus zu blicken. 



Welche Anzeichen für Hochbegabung gibt es?


1. Frühes Entwicklungsniveau: überdurchschnittliche Denk- und Sprachfähigkeiten bei jungen Kindern. Kinder, die sich sehr früh für Buchstaben und Zahlen interessieren, manchmal auf für Logos. Aber auch Kinder, die sehr früh Gedichte und Liedtexte auswendig können. 


2. Fortgeschrittene Lernkurve: das Kind zeigt eine rasche Auffassungsgabe und schnelles Verständnis neuer Konzepte. Wie funktioniert die Hebelwirkung? Was passiert, wenn ich genau diesen Knopf drücke? 


3. Intensive Interessen und Antrieb: das Kind ist äußerst fokussiert und motiviert bei bestimmten Themen oder Projekten. Planeten, Autos, Dinosaurier, Umweltschutz oder Fragen zum Tod? Wenn sich Kinder sehr früh einer bestimmten Sache verschreiben und nahezu alles darüber wissen möchten, sollte man als Elternteil hellhörig werden. 


4. Sensibilität und emotionale Komplexität: das Kind zeigt tiefe Empathie, überdurchschnittliche Sensibilität und stellt häufig tiefschürfende Fragen. Ein Lied bringt das Kind zum Weinen? Es wird nur eine ganz bestimmte Nudelsorte gegessen? Die Sgrumpfhose ist zu eng und das Etikett kratzt? Eventuell steht eine Hochsensibilität im Raum. Diese ist eng mit Hochbegabung verknüpft. 


5. Kreatives und divergentes Denken: das Kind denkt abstrakt und zeigt innovative Ideen sowie unkonventionelle Lösungsansätze. Wenn man den Hoodie daheim verkehrt rum anzieht, wird aus der Haube eine prima Popcorntüte? Abgeschnittene Haare geben das perfekte Material für die neue Bastelarbeit? Manch kreativer Einfall lässt die Eltern verzweifeln, zeigt aber häufig die Fähigkeit, um die Ecke denken zu können. Ein häufiges Indiz für Hochbegabung. 


6. Intensive Neugier und Wissensdurst: Hochbegabte Kinder sind oft sehr wissbegierig und stellen unzählige Fragen. Sie wollen die Welt um sich herum verstehen und saugen Informationen förmlich auf. Sie haben oft ein außergewöhnliches Gedächtnis und können sich auch komplexe Zusammenhänge leicht merken. Sie sind häufig sehr belesen und informieren sich über verschiedenste Themen.


7. Frühes Interesse an komplexen Problemen: Hochbegabte Kinder zeigen oft schon früh ein Interesse an komplexen Problemen und Herausforderungen. Sie beschäftigen sich intensiv mit Rätseln, Puzzles oder mathematischen Aufgaben und haben oft ein erstaunliches Verständnis für abstrakte Konzepte. Sie lieben es, neue Wege zu finden, um Probleme zu lösen und sind oft sehr beharrlich dabei.


8. Hohe Sensibilität und Empathie: Hochbegabte Kinder sind oft sehr sensibel und nehmen ihre Umgebung intensiv wahr. Sie haben ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen und können sich gut in andere Menschen hineinversetzen. Sie können komplexe Emotionen und Stimmungen erkennen und haben oft ein starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Fairness.


9. Perfektionismus und hohe Ansprüche an sich selbst: Hochbegabte Kinder haben oft hohe Ansprüche an sich selbst und streben nach Perfektion. Sie sind oft sehr selbstkritisch und setzen sich unter Druck, immer die besten Ergebnisse zu erzielen. Sie können schnell frustriert sein, wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt, und neigen dazu, sich stark mit ihren Leistungen zu identifizieren.


10. Schwierigkeiten in der sozialen Integration: Hochbegabte Kinder können sich oft schwer in soziale Gruppen integrieren. Sie fühlen sich häufig anders als ihre Altersgenossen und haben Schwierigkeiten, passende Spielpartner zu finden. Sie können sich schnell langweilen und brauchen oft intellektuell anspruchsvolle Herausforderungen, um sich wohlzufühlen. Dies kann zu


Wenn man sich bzw. sein Kind nun in einigen Punkten wiederfindet, wäre es an der Zeit, nochmal genauer hinzusehen. Oft wird dadurch schnell klar, dass hinter einem bestimmten Verhalten mehr steckt, als ADHS, oder emotional-soziale Unreife. Beides berechtigte Diagnosen, so sie denn tatsächlich zutreffen. Beide werden jedoch meines Erachtens nach häufig vorschnell diagnostiziert, wodurch sich der Raum für eine wichtige Differentialdiagnose völlig verschließt. 



Mag. Elisabeth Koch

Mag. Elisabeth Koch

Klinische- und Gesundheitspsychologin

AAAV Kärnten und Wien, klinisch-psychologische Gutachterin für die Bundespolizeidirektionen Kla ...

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